Zur Geschichte des Hauses

Das Musikhaus Viegener ist Münsters älteste, noch bestehende Musikalienhandlung und seit dem Jahr 1910 ununterbrochen im Besitz der Familie.

Die Gründung geht zurück auf den Großvater des heutigen Besitzers, Musikdirektor Josef Viegener. Dieser eröffnet die Firma nach seinem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst als Militärmusiker am heutigen Standort als klassische Musikalienhandlung. Der damalige Firmenname: "Haus der Musik Josef Viegener".

Haus und Nachbarhaus web

Jener Josef Viegener hatte am Katthagen in Münster ein Wohn- und Geschäftshaus aus dem 19. Jahrhundert erworben, ursprünglich genutzt als Ausspann mit Bewirtung und Logis. Die ehemaligen Gasträume werden zum Ladenlokal, darüber befinden sich die Privaträume für die Familie und das Personal. Im Hinterhaus entsteht ein Probensaal für die zahlreichen Kapellen und Orchester des Musikdirektors.

Auch ein Musikverlag gehört von Anfang an zum Unternehmen, in dem der Firmengründer neben fremden Werken vorrangig die eigenen Kompositionen für Blasmusik veröffentlicht. Nach dem zweiten Weltkrieg wird dieser Verlag einen anderen Namen erhalten und von fremder Hand fortgeführt.

So ist der Handel mit Noten und Instrumenten wohl zunächst eher ein Nebenerwerb; die Schwerpunkte seiner Tätigkeit legt Musikdirektor Viegener naturgemäß auf Orchesterleitung und Komposition. Erst nach dem Ende des ersten Weltkrieg ändert sich das: Die steigende Nachfrage nach Instrumenten aller Gattungen, und nach Druckerzeugnissen anderer Verlage, beschert der jungen Firma ein schnelles Wachstum. Und mit dem Aufkommen des Grammophons gibt es bald auch Schellackplatten und Abspielgeräte am Katthagen; das Angebot rund um die Musik ist vollständig.

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Mittlerweile ist Josef Viegener, der älteste Sohn des Hauses, erwachsen geworden und gründet in den 30er Jahren ein eigenes Musikgeschäft unter dem Namen "Lyra-Musikhaus". Diese Firma bleibt aber jederzeit rechtlich eigenständig, außer der Namensverwandschaft gibt es keine Verbindung zum Haus der Musik am Katthagen; im Jahre 2002 wird die Firma Lyra-Musikhaus aufgelöst.

Auch eine Tochter des Hauses gründet später ein Musikgeschäft, nachdem Ihr Mann nicht aus dem Krieg heimgekehrt ist: Maria Marcus erwirbt ein Haus am Alten Fischmarkt und führt ihr kleines Geschäft bis in die späten achtziger Jahre mit dem Stolz der Kriegerwitwe allein.

Der jüngste Sohn des Hauses, Walter Eberhard Viegener, hatte noch vor dem 2. Weltkrieg seine Ausbildung zum Instrumentenmacher abgeschlossen. Daraufhin wird eine Fachwerkstatt für Blechblasinstrumente dem Musikhaus angegliedert, die in den Dreißigern und noch bis in die letzten Kriegsjahre von sich reden macht.

Walter und Josef vor dem Haus web

Der zweite Weltkrieg bringt schliesslich den regelmäßigen Geschäftsbetrieb zum Erliegen; während einer der letzten Bombennächte im Jahre 1944 wird auch das Geschäftshaus komplett zerstört.

Nach Kriegsende ist der Wiederaufbau dann Sache des jüngsten Sohnes Walter. Vater Josef Viegener hatte aus Altersgründen die Firma an seinen jüngsten Sohn übergeben und sich ins Privatleben zurückgezogen; im Jahre 1958 stirbt Musikdirektor Josef Viegener im Alter von 86 Jahren. Die Westfälischen Nachrichten würdigen diesen ebenso stattlichen wie populären Bürger als "Münsters größten Musiker".

Bereits 1949, unmittelbar nach der Währungsreform, geht der regelmäßige Geschäftsbetrieb wieder los. Zunächst wird das Hinterhaus errichtet, ein paar Jahre später kommt das Vorderhaus dazu. Seit Mitte der Fünfziger Jahre hat das Geschäft damit seine heutige Form und behält sein Gesicht bis zum Umbau im Jahre 1987.

Unter der Leitung des Sohnes Walter Viegener erblüht das Geschäft erneut. Anders als in vielen Unternehmen  war die Entwicklung des Musikhauses in den 50er und 60er Jahren unter dessen Leitung aber eher auf Beständigkeit und Festigung ausgelegt. Mittlerweile auch überregional eine feste Größe als Piano- und Musikhaus, vertreibt man mit BECHSTEIN und BÖSENDORFER unter anderem zwei der drei weltweit führenden Klaviermarken. Die angeschlossene Fachwerkstatt  beschäftigt einige Klavierbauer, im Verkauf und in der Werkstatt wird selbst ausgebildet.

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1982 dann die nächste Altersnachfolge: Mit Christof Josef Viegener tritt der Enkel des Firmengründers an die Seite seines Vaters Walter, der sich in den folgenden Jahren aus der Geschäftsleitung zurückziehen wird. Bis zu seinem Tode im Jahre 1992 ist Walter Viegener aber noch beinahe täglich im Geschäft anzutreffen; er war eben ein Mann der Musik und ein Kaufmann vom alten Schlag, der nicht einfach die Hände in den Schoß legen mochte.

Ende der Achtziger Jahre wurde das Klaviergeschäft aufgegeben, die dazugehörige Werkstatt geschlossen. Nach einigen Umbauten liegt danach der Schwerpunkt wieder auf Noten, Kleinmusikinstrumenten und Zubehör. Dazu wird hier im Hause eine eigene EDV-Warenwirtschaft "MusiCAL" entwickelt, die in den folgenden Jahren von zahlreichen Musikalienhandlungen im ganzen Bundesgebiet übernommen wird.

Im Jahr 2010 feierte das Haus der Musik mit dieser Mischung aus Tradition und Modernität sein 100jähriges Bestehen.